Exkursion "Auf den Spuren Luthers"

Am 4. August 2017 begaben sie die Teilnehmer/-innen des Projektes "Aktive Eingliederung Landkreis Saalekreis" auf eine Fußexkursion durch die Stadt. Diesmal ging es um die Spuren Martin Luthers in Halle anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation. Ausgangspunkt war der "Roland", die mittelalterliche Figur am Roten Turm, auf dem Marktplatz. Von dort aus ging es zunächst weiter in die Schmeerstraße. Dort befindet sich eine Gedenktafel für eine Übernachtung Luthers im Jahr 1545 im historischen Gasthaus und damaligen Wohnhaus seines Freundes Justus Jonas.

Luther war mit Sicherheit häufiger in Halle als uns heute bekannt ist, da er auf seinen Reisen immer wieder die Saalestadt durchquert haben wird, da sie als einziger sicherer Saaleübergang auf einer langen Strecke nördlich der Saale-Elster-Aue galt. Selbst von Süden kommend, wie in diesem Fall aus Merseburg, musste man durch Halle, um nach Wittenberg zu gelangen.

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 in Wittenberg zeigte schnell weitreichende Folgen im Umland, doch da Kardinal Albrecht, der Erzbischof von Magdeburg, Halberstadt und Mainz, in Halle residierte, blieb die Saalestadt noch bis 1541 katholisch und es kam insbesondere ab 1530 zu einer massiven Veränderung des Stadtbildes, durch den Abriss von Kapellen und Kirchen sowie durch den Neubau von Residenzen und den Umbau von Kirchen.

Dieser Prozess war an den folgenden Haltepunkten das Hauptthema: am "Trödel" ebenso wie am "Kühlen Brunnen"hatte Albrechts Günstling Hans Schönitz Kapellen geschenkt bekommen und sie dann abgerissen, um Wohnhäuser zu erbauen. Diese Vorgänge haben die Reformation in Halle befördert, weil die Hallenser mit immer neuen Bauprojekten beschäftigt waren. Das gilt insbesondere für die Marktkirche, bei der zunächst nur eine der beiden Kirchen abgerissen werden sollte, dann aber beide, damit zwischen den Türmen eine neue erbaut werden konnteDie Marktkirche, wie auch die gegenüber liegende Marienbibliothek sind Projekte des 16. Jahrhunderts, die Luther und Albrecht nicht mehr gesehen haben, die aber im Endeffekt auf ihr Schaffen zurückgehen. In der Kirche wird heute Luthers Sterbemaske ausgestellt, in der Marienbibliothek befindet sich ein Lutherdenkmal, ein weiteres steht an der Ostfassade der Kirche, welches wir aufsuchten.

Jedoch spielte nicht nur Luther an diesem Tag eine Rolle. Auch andere Themen kamen zur Sprache, etwa am Göbelbrunnen auf dem Hallmarkt, am nahen Finanzamt, auf dem Domplatz  und an der Moritzburg die Rolle der modernen Kunst, in der Neuen Residenz, der Umgang mit Arbeitslosen, in der Pause auf dem Domplatz die weltpolitische Lage oder auch das durchaus vorhandene und nicht ausreichend ausgeschöpfte touristische Potential der Stadt Halle (Saale). In der Kleinen Ulrichstraße diskutierten die Teilnehmer/-innen zudem die aus der Mode gekommenen Wörter, die dort an einer Wandfassade aufgelistet werden.

Kardinal Albrecht hat Halle stark verändert, auch am Neuwerk riss er ein Kloster ab, an der Großen/Kleinen Ulrichstraße eine Kirche und auf dem Martinsberg eine Kapelle. Er planierte die Friedhöfe an den innerstädtischen Kirchen und legte dafür den Stadtgottesacker außerhalb der Stadt an, er beseitigte das Stadthospital und errichtete dafür ein Gebäude, das als katholische Gegenuniversität zum Wirken von Luther und Melanchthon in Wittenberg angedacht war. Aus diesem wurde später sein Palast.

All diese Aspekte wurden unterwegs gezeigt beziehungsweise angesprochen. Auch in Albrechts erste Residenz, die Moritzburg, warfen wir einen Blick. Als letzte Station wählten wir den Universitätsplatz, denn dort befindet sich nicht nur das Melanchthonianum der nach Luther benannten Universität, sondern zudem wurden im Hauptgebäude mit dem Löwenportal Büsten der Reformatoren Luther und Melanchthon aufgestellt.